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Bagger schafft Platz für Moosjungfern

Neue Libellenart in diesem Jahr erstmals nachgewiesen / Im Naturschutzgebiet am Osterberg entstehen Tümpel für bedrohte Tiere

 
MoorjungferDie Große Moosjungfer, eine seltene Libellenart, ist erst in diesem Jahr im Naturschutzgebiet auf dem Osterberg entdeckt worden. Foto: Madsack
Hildesheim (ha). Auf den ersten Blick scheint beides nicht zusammenzupassen: Bagger, die mit ihren Schaufeln und Ketten brachial den Boden aufwühlen, und ein Naturschutzgebiet mit einem trittempfindlichen Trockenrasen. Im Naturschutzgebiet Lange Dreisch und Osterberg ergibt das jedoch sehr wohl einen Sinn. Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt ist sogar froh, dass eine schwere Baumaschine genau hier ihre ganze Kraft entfaltet. Denn so kann neuer Lebensraum für Moosjungfern und Kammmolehe geschaffen werden.
 
Aufgabe des Kettenbaggers ist es nämlich, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz nördlich von Himmelsthür Senken anzulegen, die sich nach längeren Regenfällen mit Wasser füllen und sich so zum Lebensraum für gefährdete Arten entwickeln. Außerdem sollen die Tümpel dienen. Die vierbeinigen Landschaftspfleger sorgen dafür, dass das Gelände nicht von Büschen überwuchert wird, die der bodennahen Flora den Lebensraum streitig machen würden.
 
Bagger am OsterbergDie Natur verkraftet den Eingriff allerdings relativ schnell. Aus den Baggerlöchern aus dem Vorjahr sind Tümpel geworden, die viele Tiere als Lebensraum nutzen. Foto: Madsack
Und so wühlt sich der Bagger im Namen des Naturschutzes unerbittlich durch die Landschaft. 150 solcher Senken sind bislang schon entstanden, die Kosten dafür trägt das Land. Die Narben, die die Maschine dabei in die Grasnarbe gerissen hat, werden bald wieder verheilt sein und in den Mulden können schon bald Libellen wie die Moosjungfer und Amphibien wie der Kammmolch ein Zuhause finden.
 
Das 245 ha große Areal wurde bis 2007 von der Bundeswehr als Übungsgelände für ihre Panzer genutzt. Durch die Fahr- und Wendemanöver der schweren Militärfahrzeuge wurden damals immer wieder Mulden unbeabsichtigt ausgehoben, in denen auch der UrzeitkrebsTriops cancriformis seine Eier ablegen kann. Seit jedoch die Soldaten nach 80 Jahren Militärgeschichte am Osterberg abgezogen sind, gehören solche eigentlich wenig pfleglichen Eingriffe in die Landschaft ebenfalls der Vergangenheit an.
 
Im vergangenen Frühjahr hatte Guido Madsack von der Unteren Naturschutzbehörde deshalb schon einmal einen Kettenbagger bestellt, der sich tief durch den Lössboden bis auf den Buntsandstein darunter gewühlt hatte. Um überleben zu können, braucht Triops Tümpel, die sich im Sommer behaglich erwärmen, die aber nicht so groß sind, dass räuberische Fische dort Platz fänden. Kein anderes heute noch lebendes Tier ist länger auf dieser Erde. Schon vor 220 Millionen Jahren sind seine Vorfahren hier gewesen, heute gibt es in Niedersachsen nur noch zwei Stellen, an denen sich Restbestände behaupten können: Hildesheim und Cuxhaven.
 
Der zarte Krebs sorgte mit dafür, dass das Gebiet seit 2011 unter Naturschutz steht und von Naturkundlern sogar als besonders schützenswert eingestuft wird. Doch nicht nur der seltene Kiemenatmer gehört zu den Schätzen des Hügellandes, das extensiv genutzte Grünland, Halbtrockenrasen, Kalkquellbereiche, Kleingewässer und Waldsäume auf relativ kleiner Fläche vereint.
 
Ausbaggerung am OsterbergDas Werk des Baggers wirkt auf den ersten Blick nicht so, als ob es dem Naturschutz dient. Doch in den Senken sollen sich kleine Tümpel bilden. Foto: MadsackDer Osterberg bietet mehr als 2.000 Arten Lebensraum darunter mehr als 200 Arten der Roten Liste wie die Wildkatze, die Orchidee Bienen-Ragwurz, der gefiederte Neuntöter oder der Schmetterling Schwalbenschwanz. Bisher wurden außerdem um die 30 Libellenarten beobachtet, die die Tümpel ebenfalls zum Laichen und das Umfeld als Jagdgebiet brauchen; unter ihnen die Gebänderte Heidelibelle, die Südliche Binsenjungfer oder auch das Kleine Granatauge.
 
In diesem Jahr konnte an den neu angelegten Kleingewässern zum ersten Mal überhaupt in der Region die bundesweit stark gefährdete Große Moosjungfer nachgewiesen werden. Die Fachleute hoffen, mit den neuen Senken den Bestand stabilisieren zu können. Libellen gehören ebenfalls zu den Langzeitbewohnern der Erde.
 
Schon im Karbon gab es verschiedene Arten. Aus Fossilienfunden ist bekannt, dass einige Riesenlibellen damals Flügelspannweiten von bis zu 70 cm hatten. Gemessen daran ist die Moosjungfer geradezu winzig.
 
Sie erreicht nur eine Körperlänge von 3,5 bis 4,5 cm und eine Flügelspannweite von 5,5 bis 6,5 cm. Sie bevorzugt sonnige, fischfreie, ruhige Gewässer, bei völlig zugewachsenen Gewässern zieht sie weiter. Zu erkennen sind die Männchen an einem zitronen-gelben Fleck auf dem siebten Segment des Hinterleibs. Junge Tiere haben noch eine durchgehende Tupfenreihe. Die etwas stämmiger wirkenden Weibchen schmücken sich dagegen mit großen, dunkelgelben Hinterleibsflecken. Die genaue Bestimmung der Arten setzt ein beträchtliches Maß an Erfahrung voraus. Doch beim Nachweis der Moosjungfer sind sich die Experten einig: Sie ist wirklich hier.
 
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung
 
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