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Vor 10 Jahren, am 18. Dezember 2008, ist Heinz Ritter im Alter von 64 Jahren plötzlich verstorben.

Aus diesem Anlass erinnern wir an seinen über 30 Jahre währenden unermüdlichen Einsatz für die naturnahen Lebensräume der heimischen Kulturlandschaft mit ihrem Reichtum an Pflanzen- und Tierarten.

Schon als Schüler trat er in den 1950er Jahren in den Ornithologischen Verein zu Hildesheim (OVH) ein. 1978 wurde er in den Vorstand des OVH gewählt. Von Beginn an arbeitete er intensiv daran, Flächen für die Pflanzen- und Tierwelt zu sichern. Waren es anfangs „nur“ gepachtete kleine Gebiete, kamen schon bald die ersten Eigentumsflächen hinzu. Bereits 1981 konnte der Verein eine ca. 5 ha große Fläche in der Mitte der Gronauer Masch erwerben. Dass dieser Kauf zur Initialzündung für eines der größten Naturschutzgebiete im Landkreis Hildesheim wurde, die Leineaue von Gronau bis Burgstemmen, war damals noch nicht absehbar.

Heinz Ritter beim Interview auf dem Meyerschen Hof am 20.07.2004Der grundlegende Gedanke des Flächenschutzes zielte darauf ab, in den Naturräumen rund um Hildesheim - Calenberger und Hildesheimer Börde, Leine- und Innerste-Bergland - die charakteristischen Lebensräume der historisch gewachsenen Kulturlandschaft exemplarisch zu erhalten und zu entwickeln.

Die vom OVH erworbenen Flächen mit ihrem hohen Wert für den Naturschutz galt es langfristig zu sichern. Deshalb setzte sich Heinz Ritter vehement für die Gründung einer Stiftung ein. Die Idee dazu hatte er aus Italien mitgebracht, wo er u.a. in Umbrien und in den Abruzzen Schutzgebiete kennen gelernt hatte, die auf private Initiative hin eingerichtet worden waren - ein überzeugendes Konzept, das nicht allein auf den öffentlich-rechtlichen Schutz setzt, sondern über das Eigentumsrecht Verantwortung für den Schutz von Natur und Landschaft übernimmt.

So errichtete der OVH schließlich nach dreijähriger Vorarbeit am 11. Mai 1989 die Paul-Feindt-Stiftung und wählte Heinz Ritter zum Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes.

Heinz Ritter auf dem Ortsberg anlässlich NDR 15.06.2005Zur Verwirklichung ihrer Ziele arbeitete die Stiftung von Beginn an eng mit Kommunen, Fachbehörden, Institutionen und Verbänden des Naturschutzes und der Landwirtschaft zusammen.

Die Bilanz der bisherigen Stiftungsarbeit bestätigt die Richtigkeit der Grundidee. Der Schutz wertvoller Landschaftsteile der Kulturlandschaft ist dort am besten gewährleistet, wo über den denkbaren öffentlich-rechtlichen Schutzstatus hinaus das Eigentumsrecht greift und damit ohne Einschränkung die Pflege und Bewirtschaftung im Sinne des Naturschutzes erlaubt.

Grundlage für den Flächenschutz ist eine sorgfältige fachliche Vorarbeit. Diese berücksichtigt die überlieferten Quellen der historischen und naturkundlichen Heimatforschung und ergänzt diese um aktuelle Untersuchungen. Die von Heinz Ritter initiierte Schriftenreihe der Stiftung „Natur und Landschaft im Landkreis Hildesheim“ dokumentiert das von OVH-Mitgliedern erarbeitete Wissen über Flora und Fauna als Grundlage für den Schutz der wertvollen Lebensräume. Damit tragen die Bände zugleich zur Verbreitung von Kenntnissen über Natur und Landschaft unserer Heimat bei. Die Reihe umfasst inzwischen 9 Bände.

Diese Ausrichtung der Stiftungstätigkeit - Flächenschutz auf verlässlicher fachlicher Basis - hat sich seit 1989 vielfach bewährt, vor allem hat sie Kommunen, Behörden und Sponsoren überzeugt. Durch die vertrauensvolle enge Zusammenarbeit der ehrenamtlich tätigen Stiftung mit den Gebietskörperschaften wurde der Effekt der eingesetzten öffentlichen Mittel beträchtlich gesteigert, viele Projekte konnten überhaupt erst dank der großzügigen finanziellen Förderung durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Sparkassenstiftungen und Volksbanken und viele Einzelspender in Angriff genommen werden.

Auf Grund dieser Konzeption gibt es heute in den verschiedenen Naturräumen unseres Landkreises ein Netz von Schutzgebieten, in dem besonders wertvolle, landschaftstypische Lebensräume nachhaltig gesichert sind. Zu nennen wären z.B. die Auenbereiche von Leine, Innerste, Lamme, Nette und Bruchgraben, außerdem in der Börde als „Biotope aus zweiter Hand“ einige hervorragend renaturierte Tongruben. Im Leine- und Innerstebergland sind die Kalkhalbtrockenrasen von landesweiter Bedeutung, darunter der Gallberg bei Himmelsthür, der Steinberg bei Wesseln und der Ortsberg bei Langenholzen. Dazu kommen im Bergland Streuobstwiesen, Quellbereiche und kleine naturnahe Wälder.

Heinz Ritter hat es in hervorragender Weise verstanden, für die Stiftungsidee immer wieder Freunde, Förderer und Mitstreiter zu gewinnen. Sein profundes biologisches und geographisches Wissen verknüpfte er stets mit den historischen Fakten unserer Region; mit diesem Denken in Zusammenhängen wusste er Gesprächs- und Verhandlungspartner zu überzeugen. Bei aller Freude an der Beobachtung einer seltenen Vogelart oder Orchidee stand doch nicht die einzelne Art im Mittelpunkt seiner Bemühungen. Vielmehr war ihm der übergeordnete Gesichtspunkt wichtig, Natur und Landschaft in ihrer Vielfalt als Bestandteil menschlicher Kultur zu verstehen, zu erklären und dann auch konsequent zu schützen.

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